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Zentrales Urbild, Werkzeug und Hilfsmittel des Weges der Kabbala, indem sich alle seine Ansätze und Aspekte verbinden, ist das Symbol des Lebensbaumes. Sein Symbol ist der umfassende Ausdruck der Einheit des Lebens. Rein formal gesehen ist er ein komplexes, in sich höchst harmonisch gegliedertes Gebilde, das uns auf den ersten Blick an ein indisches Yantra oder Mandala erinnert und häufig auch als solches benutzt wird.

Um ihn kreist alle kabbalistische Lehre und Übung, alles Studium und alle Kontemplation. Sein Symbol ist der umfassende Ausdruck der Einheit allen Seins, das alle Formen und Erscheinungen der Schöpfung von ihrem höchsten Ursprung in Gott bis hinunter zum kleinsten Atom, von der höchsten Offenbarung Gottes, der geistigen Manifestation göttlichen Lichtes und Lebens, bis hinunter zum festen Stoff, zur körperlichen, grobstofflichen Welt, alles umfasst.

Tatsächlich gilt der Baum in vielen Traditionen als Urbild des Lebens. So finden wir im Vedanta den Banyan - Baum, in den nordischen Mythen den Baum Yggdrasil, in der Edda die Weltenesche. Besondere Bedeutung hatte er jedoch in Altägypten sowie in der jüdisch- christlichen Überlieferung, wo der Lebensbaum schon zu Beginn der Schöpfungsgeschichte seinen besonderen Platz einnimmt.

Das Bild des Lebensbaumes ist keine willkürliche Gedankenkonstruktion spekulativen Menschengeistes, sondern Symbol und Sinnbild einer kosmischen Wirklichkeit, herausgewachsen aus einer geistigen Vision der Eingeweihten, Mystiker und Propheten.

Wie das Wort auf Schwingung und die Schwingung auf der Zahl und beide auf dem Logos gründen, so besteht natürlich eine enge Verknüpfung zwischen der Lehre von der Kraft des Wortes mit der Lehre von den zehn heiligen Urzahlen oder Sefirot und ihrer Einheit im Symbol des Lebensbaumes. Dieser Lebensbaum bildet gleichsam als Urbildder Einheit und Entfaltung allen Seins sowohl den zusammenfassenden Rahmen für all die anderen Disziplinen und Zweige esoterischer Lehre, die im Rumpf der Kabbala vereinigt sind, als auch das Symbol der metaphysischen Gestalt der Schöpfung und des Menschen. Wollen wir es auf einen Nenner bringen, so ist die hebräische Kabbala die Wissenschaft der Heiligen Namen Gottes und Seiner Heiligen Attribute, die Lehre von der Manifestation, Entfaltung und Offenbarung Gottes und Seines Logos in der Schöpfung und im Geschöpf. Selbst der Baum des Lebens entfaltet sich aus den Kräften des Logos und der Heiligen Namen.

Durch Invokation dieser Namen erfassen und empfangen wir das ganze Universum von seinen Wurzeln im Heiligen Ursprung des Schöpfers, durch den Stamm des Geistes und die Äste des universellen Gedankens bis in die Blätter unserer materiellen Welt. So beleben wir den ganzen Baum der Schöpfung in uns.

Wichtig ist es, nochmals hervorzuheben, dass es zwei Traditionen des Lebensbaumes gibt: eine ägyptische und eine hebräische. Beschränkt sich die hebräische, die ihr Fundament in dem großartigen mystischen Werk des "Sohar" hat, auf eine Betrachtung des Sefirot - Baumes als Diagramm der Entfaltung des Bewusstseins und der Offenbarung der Heiligen Attribute Gottes, so war er in der ägyptischen Einweihungstradition umfassendes Symbol der Hyroglyphe(= ein Heiliges Urbild) allen Seins und Lebens.

Besant und Leadbeater verglichen die Struktur des anu mit dem Baum des Lebens. Dieses uralte jüdische Symbol versinnbildlicht in gewisser Weise die Realität des materiellen Universums. Dem Baum liegen die zehn Sphären oder Sepiroth zugrunde. Dies sind die zehn Stufen, in denen Gott sich in der Schöpfung manifestierte. Die männlichen Werte sind auf der rechten, die weiblichen auf der linken Seite angeordnet. Sie finden zusammen im zentralen Sepiroth. Die Spitze bilden Kether (Krone oder Haupt Gottes) sowie Chokmah (göttliche Weisheit) und Binah (göttliche Intelligenz). Eine Kluft trennt dieses "überirdische Dreigestirn" von den unteren Sepiroth. Chesed (Gnade) ist ein konstruktives, liebendes Prinzip. Es steht Geburah (Strenge) gegenüber, das mit Zerstörung und Krieg in Zusammenhang gebracht wird. Diese beiden vereinigen sich in Thipereth (Schönheit), das für die Lebenskraft steht und durch Sonne und Herz symbolisiert wird. Darunter folgen Netzagh (Sieg) als Sinnbild für den Instinkt, die Leidenschaften und Anziehungskräfte und Hod (Ruhm) als Symbol für Phantasie und auch für Vernunft, die als negative Eigenschaft gesehen wird. Yesod (Fundament) wird mit Wachstum und Verfall, dem Mond, der Sonne und Erde verbindet, und den Genitalien in Verbindung gebracht. Malkuth (Königreich) steht für Materie, die Erde, den Körper. Laut Besant entsprachen die drei Hauptteile des anu dem überirdischen Dreigestirn und der Rest den unteren sieben Sepiroth.

   
© Praxis für geistiges Heilen - Jürgen Pitten